TEXTE, PRESSE

Über Monster und anderes in der Malerei von Sybille Uitz

Monster sind „furchterregend, hässliche Fabelwesen, Ungeheuer, Scheusale von phantastischer, meist riesiger Gestalt“, so steht es im Brockhaus. An diese Interpretation hat sich Sybille Uitz sicher nicht gehalten. Eher schon an die etymologische Wurzel der „Mahnzeichen“, was dem lateinischen „Monstrum“ und „monere“ (mahnen) entlehnt ist. Ihre Monster sind nämlich liebenswürdige Gesellen, die nur manchmal so tun als wären sie furchterregend, in Wahrheit sind sie aber heitere Dschungelwesen aus Farbe und geboren aus dem Willen der Malerin. Mahnzeichen sind sie aber dennoch, sind sie doch das Mittel zur Aussage der Künstlerin und die versteht ihre Arbeit sehr wohl auch als eine Art „Mahnung“: erhaltet die Schönheit und Wildheit der Erde, lässt die Urwälder und Tiere in Ruhe, lässt ihnen ihren Platz, raubt ihnen nicht die Existenz und den Menschen nicht das Geheimnisvolle, das Spirituelle und Mystische. Alles zu wissen, heißt doch letztendlich gar nichts mehr zu wissen. So wie alle Farben zusammengemischt, sich keine Farbe mehr ergibt.

Das große Erlebnis für Sybille Uitz war in Sri Lanka natürlich das Meer, aber vor allem war es der Dschungel. Hier entdeckte sie, dass die Dichte und Fülle des Urwaldes mit ihren eigenen malerischen Intentionen unmittelbar zusammenhängen. Sie fühlte und erlebte so etwas wie Urheimat im mystischen Sinn. Hier waren sie ja alle ihre Wesen der Phantasie, die üppigen Pflanzen, die sich über- und umeinander schlingen im existentiellen Überlebenskampf, wo aber dennoch jeder den anderen braucht, hier leben ja all die Tiere, die man selten sieht, aber umso öfter hört, die mit ihren Lauten und Rufen nicht nur die Stille durchbrechen und der Phantasie reiche Nahrung geben, sondern den menschlichen Eindringling auch daran erinnern, dass es eine andere Welt gibt, eine Welt des Übersinnlichen, Spirituellen, ewig Unbekanntem, aber immer Ersehnten. Es waren die Wesen, die schon längst in ihren Bildern gelebt haben, bevor sie von ihnen wusste. Jetzt lernte sie sie kennen und erlebte sie in ihrer natürlichen Umgebung, auch wenn sie sie öfter hörte als sah. Wahrscheinlich sind es Affen und unbekannte Vögel, ein wilder Elefant vielleicht, Raubtiere und kleines Getier, alle zusammen aber sind sie die geheimnisvollen Monster, die sich um die Malerin scharen, heimlich - unheimlich, leise, anschmiegsam und beobachtend. Die schon längst in den Bildern schlummernden Wesen konnten nun auch Gesichter bekommen, Figur erhalten und Farbe bekennen. Und wie Sybille Uitz keine Angst hat vor dem Fremden, Anderen, vor dem Unbekannten und Unheimlichen, so hält sie stand und machte sich daran diese Welt zu entdecken, die sie instinktsicher als ihre eigene erkannte. Die Farben der meist in Serien gemalten Bilder waren immer die Primärfarben, Rot, Blau, Gelb. Kräftig und pastos aufgetragen entstand eine wilde, frische, unbekümmerte Malerei, ohne Rücksicht auf Trends und Stile. So eindeutig bunt und farbenfroh die Palette bisher war, so war die Malerin überrascht von ihrer plötzlichen Freude an Ocker-, Braun- und Gelbtönen, die sich da in ihre Monsterbilder einschlichen. Wie wenn sie es schon geahnt hätte, dass nach dem Erlebnis des Dschungels nun das andere große Erlebnis, das der Wüste, auf sie wartet. Sie reist demnächst nach Afrika und sie weiß schon jetzt, dass hier ein ebensolches künstlerisch-geistiges Heimatgefühl entstehen wird wie in Sri Lanka.

Sybille Uitz malt wie und was sie empfindet, lies und lässt sich von Lehrern ( Universität für angewandte Kunst bei den Professoren Carl Unger und Adolf Frohner ) oder verehrten Kollegen (de Kooning, Dubuffet, Bacon) höchstens anregen aber nicht irritieren. Im Gegenteil, sie machte sich sogar in einer Ausstellung über die Herren Professoren der Kunstschulen lustig, indem sie daran erinnerte, dass sie „einst Avantgarde, heute nur noch fade“ sind.

Sybille Uitz , angepasst ist sie nicht, das macht sie frei und unabhängig, gibt ihr nur einen einzigen Maßstab, das ist ihr eigener und sie kann dank ihres Humors und ihrer ungebrochenen Vitalität, auch über Kränkungen hinweggehen, die damit zusammenhängen, dass Frauen in der Kunstszene, trotz hoher Begabungen, immer noch nur marginal vorkommen und dass es nicht so einfach ist als Künstlerin auf dem freien Markt zu überleben.

 

Prof. Angelica Bäumer

Kunsthistorikerin, Autorin, Kuratorin

Sich austobender Manierismus (leicht gekürzt)

Zu den Bildern von Sybille Uitz

 

Sybille Uitz will gleich heran. Altmeisterliches altmeisterliches Sorgfallts Gefummele liegt ihr nicht. Das entspricht dem unterschwelligen Bodensatz ihres Charakters, der hinter Freundlichkeit jederzeit bereite Heftigkeit sich vorbehält, man muss nur kratzen. So bleibt sie äußerst kommunikativ. Wenn ihre Malerei und ihr Zeichnen einem zunächst den Eindruck der neuen Welle neuer Wildheit vermitteln, dann ist das eben bei ihr kein sich-Anschließen an eine gegenwärtige Mode, einen gegenwärtigen Trend, sondern sie war sozusagen immer schon neu-wild.

Ihrem Hang nach Rasch-sich-ausdrückendem künstlerischem Arbeiten entspricht die Wahl ihrer Materialien und Instrumentarien.

Ihre Bilder machen auch dort, wo sie unbearbeiteten Freiraum lassen, den Eindruck vorläufig vollständiger Ausgeführtheit, sicher sie könnte weitermalen, aber es muss nicht sein. Zum anderen: für die Schnelle des Ausführens vom einzelnen Bild tritt die energische Intensität des Farbauftrags und der Linienführung ein. Was aber wichtiger: es entstehen explosionsartig viele Bilder, die sich aneinanderreihen.

Mitten in der Hektik erscheint Rhythmus im Mal- und Zeichenprozess. Man schwingt mit. Das Durcheinander des ersten Blicks lichtet sich zu dauernden Rhytmen, Rhytmisierungen, an Kandinsky erinnernd, wenn auch sehr viel gröber, so von verwandter verhaltener Ungeduld und Nervosität. Dem gesellt sich der Klangkontrast der Farben zu, Kontrast wird auffällig gesucht.

Sieht man die Malereien und Zeichnungen serial, dann bildet die Abstraktivität einen Untergrund, aus dem sich Gegenständliches vexierend hervorquält in verschiedene Richtungen. Da tauchen zunächst Masken auf.

Den Masken schließen sich Körper an, fast nicht ausgeführt, halb ausgeführt, eben als Maschinen oder auch äußerst lebendig, hin und wieder auch zerlegt verteilt über die Bildfläche.

Das Motiv der Brüste ist mindestens so wichtig wie die Maske. Es geht um sich entfernende Brüste, um einander sich nähernde Brüste, sich berührende Brüste, sich überblendende Brüste. Das Brüstemotiv bringt eine formale Struktur ein, wie bisweilen die gedoppelten Köpfe in ihrer Maskigkeit oder Karrikatureske. Ich möchte diese Struktur einmal verschobene Symmetrie nennen, eine Symmetrie, die sich balgt und küsst und wiederum nicht voneinander wissen will. Sie spiegelt sich auch in den Farbkontrastierungen des Abstraktiven. Der Verschub bewirkt aus der starren Symmetrie heraus Drehmomente, Kreiselmomente, die Bilder geraten in Bewegung.

Besonders an den Zeichnungen ist in der Strichführung eine Wut aufs Papier zu entdecken, die sich in grellen, schreienden Farbkontrasten auf der Leinwand der Ölmalereien wiederholt.

In der Schwebe bleibt, ob Wut, Labyrintisches, auch die gegenständlichen Körperlichkeiten in sich sich vervollständigender und doch nicht vervollständigender Fragmentarik verschobene Symmetrien und die Schwierigkeiten der Kommunikation die individuelle Lage des Lebens der Künstlerin bestimmen sollen oder ihr begegnende gesellschaftliche Zustände. Indem sie das nicht klärt, gar nicht klären will, macht sie darauf aufmerksam, dass in aller Objektivitätsabsicht eine solche Trennung unmöglich ist, das eine spiegelt sich im anderen, vice versa. Nichts lässt sich anders beim Namen nennen als vom erfahrenden Individuum her.

In dem, was an Motiven hier angerissen wurde, zeigt sich einiges aus der Motivik des Manierismus einschließlich der verzerrten, vermaskten, mechanisierten Körperlichkeiten, noch die scheinbar so weichen Brüste starren einen ja wie Masken an. Aber der Manierismus war berechnend, konstruierend, er fummelte bis in jedes Detail. Will man in Sachen der Arbeiten von Sybille Uitz von Manierismus sprechen, dann muss man ihn näher beschreiben als einen austobenden, sich austobenden. Manierismen aber lieben vor, deutlich.

 

Prof. Dr. Bughart Schmidt, ( Philosoph, Autor ) 

PERMANENTE HEFTIGKEIT

ANMERKUNGEN ZUR MALEREI VON SYBILLE UITZ

 

„Monster sind überall“ ( Sybille Uitz ). In den Filmen. In den Büchern. In den Mythen. In den Träumen. Im Alltag ebenso wie im Dschungel. Und vor allem auch in der Malerei von Sybille Uitz. Eines ihrer hervorhebenswerten Bilder: „Rotes Monster im Dschungel“. Und das Dschungelmonster ist, wie Monster sind: eher rundlich, mal putzig, mal bedrohlich, großäugig. Vor alles sind Sybille Uitz’s Monster Farbenmonster, Malmonster. Ihr Fleisch, ihr Blut, ihre Knochen, soweit sie als Wesen solche haben, und ihre Sinne sind Farben, Farbstriche, Farbkontraste. Beim Dschungelmonster sind es Rot, Gelb, Schwarz und viele Zwischentöne. Ein gemalter Dschungel voller schriller Farbgeräusche, auch Farbgewalt. Und überall Dschungelschönheit - auch in den anderen Bildern. Im hier angesprochenen Bild rechts eine gelbe Hölle, im Hintergrund das Pinselstrichdickicht. Heftige Malerei.

„Einst Avantgarde, heute nur noch fade.“ Titel einer Uitz-Ausstellung 1989. Die „heftige Malerei“, die „neu-wilde“, die uns deutlich in diesen Bildern entgegentritt, war die Avantgarde um 1980. Ist deshalb diese Malerei fade? Sicher nicht! Die Malerei dieser Künstlerin ist „immer schon neu-wild“, stellte Burghart Schmidt fest. Dass die einstige Avantgarde heute oft fade erscheint, ist ja kaum eine Frage des aktuellen Kunstschaffens, sondern eine Frage des Kunstbetriebes, der Trends, Moden braucht, macht. Und Teile dieses Kunstbetriebes ironisiert die Malerin mit ihrem Avantgardezyklus. Ihre Bilde sind, unabhängig von allen gemachten Trends des Kunstbetriebes vital. Und diese Vitalität ist oft gepaart mit Humor. Ein Augenzwinkern der Monster. Beispielsweise das „Gut aufgelegte Monster“. Vielleicht hat dieses Bild irgendwo etwas von einem Selbstportrait?

Sicher ist dieses Bild - wie auch das Dschungelbild und die anderen - vor allem Malerei. Betont sind hier auch die Malgestik und die Kreisdynamik im Zentrum. Malerisch sehr differenziert ist für mich das „Grüne Frauenmonster“. Hier wieder die heftigen Farbfahrer, oft direkt mit den Händen aufgetragen. Direktheit sichert Emotionalität. Und in allen Bildern geht es - wie die Künstlerin betont - um Sinnlichkeit. „Es muss sinnlich sein“ sagt die Künstlerin. So in einem Bild „Zwei Frauen im Grünen“. Hier sehen wir auch, das für die Malerei von Sybille Uitz wesentliche Symbol der Brüste, unterstrichen durch einen massiven Bauch. Und Brüste und Bauch nähern sich - wie Burghart Schmidt festgestellt hat. Sie schaffen als formale Struktur eine „verschobene Symmetrie“, eine Symmetrie, „die sich balgt und küsst und wiederum nicht voneinander lassen will. Sie spiegelt sich auch in den Farbkontrastierungen des Abstraktiven (Prof.Dr.Burghart Schmidt ).

Dieses Abstraktive, diese Tendenz zur Abstraktion, diese Reduktion der für mich in einigen Bildern zu deutlich hervortretenden Köpfe und Gesichter, finden wir in zahlreichen Gegenstandsminimierten Arbeiten, so in einem kadmiumroten Netzbild oder einem sehr dichten Dschungelbild. Und, scheinbar überraschend für diese Malerin der Heftigkeit, der runden Üppigkeit, der gemalten Sinnlichkeit, gibt es bei Sybille Uitz einen Zyklus der malerischen Selbst-Disziplinierung: die nur blauen, die nur gelben, die nur roten Bilder.

Zusammenfassend lässt sich sagen: die Impulse zur Bilderwelt von Sybille Uitz kommen sowohl aus dem eigenen Lebensbereich („Ich liebe die Frauen“, eine Uitz-Aussage, die sich zum Beispiel in dem Bild „Zwei Frauen im Garten“ niederschlägt) und aus Kunstbetriebserfahrungen („Einst Avantgarde - heute nur noch fade“) als auch aus der Malerei selbst. Und bei aller „Monsternähe“ ist in dieser permanenten Heftigkeit die Kunst nicht zu übersehen.

 

Dr. Dieter Schrage  (Kunsthistoriker, Kurator )

Museum für moderne Kunst

Rede zur Verleihung des Georg Eisler Preises

So gelangen in der Gegenständlichkeit und Abstraktion verbindenden Malerei von Sybille Uitz innere und äußere Realitäten zur Verzahnung.

Sybille Uitz spricht selbst von „ freier Malerei “ und meint damit eine, die nicht vorauskalluliert ist, sondern in spontaner und unmittelbarer Weise direkt auf der Leinwand, oder dem Zeichenblatt von statten geht. Die Künstlerin betont, dass sie aus dem Bauch agiert, und dass die Ergebnisse ihrer Arbeit „sinnlich“ sein müssen. Kühle, kopflastige Kunst lehnt sie ab. Unter Zurückdrängung rationaler Reflexionen sollen in ihrer Arbeit vor allem psychische Erlebnisschichten aktiviert und aufgezeichnet sowie dann auch im Betrachter stimuliert werden. Das Entstehen eines Bildes ist bei ihr jeweils ein Abenteuer, eine Entdeckungsreise mit ungewissem Ausgang, ein Prozess, bei dem sich Unvorhersehbares und unerwartetes ereignet, auf das die Künstlerin zu reagieren hat. Uitzens Bilder sind sehr wesentlich von kräftigen Farben geprägt. Unter Verwendung verschiedenster Werkzeuge - sowie bisweilen sogar direkt mit Händen und Fingern - werden diese in kraftvoll-gestischem Duktus auf die Leinwand gebracht. Würden die so entstehenden Farbfelder oder Farblandschaften per se schon zu diversen Assoziationen anregen, so wird die Assoziationskraft und Phantasie des Betrachters darüber hinaus noch durch diverse Wesen beflügelt, die die Künstlerin im Rahmen des Malprozesses zeichenhaft in die Bildoberfläche ritzt. Sie holt aus dem informellen Bild gewissermaßen selbst einiges von dem heraus, was jeder auf seine Art hineinzusehen geneigt ist. In der Mischung aus Realem und imaginiertem tummeln sich auf ihren Bildern Tiere und Pflanzen ebenso wie dem Mythos oder dem Märchen entstammende Königinnen sowie phantastische Wesen: Schemen - Masken oder fratzenhafte Gesichter oder Geschöpfe, die Uitz selbst als „gut aufgelegte Monstren“ bezeichnet.

Die Kraft und Inspirationsquellen dieser Arbeit sind vitale, originäre Erfahrungen in äußeren wie inneren Welten - Erfahrungen, die die Künstlerin auch ganz bewusst sucht.

Sie findet sie einerseits in fernen, urtümlich wild und natürlich gebliebenen Umgebungen. So hat sie in den letzen Jahren mehrfach längere Zeit im Dschungel von Sri Lanka gelebt, einem Ort, den sie gewissermaßen als Pendant zur Dschungel ihrer Malerei erlebt hat, wo sie sich aber gleichzeitig auch in der Kultur des Landes geistig zu Hause fühlen konnte. Die hier gezeigten Bilder sind Reflexe ihrer dortigen Erfahrungen.

Andererseits unternimmt Sybille Uitz aber auch Reisen in innere Welten. Sie praktiziert schamanische Techniken, mittels derer sie sich in Zustände, oder auf Ebenen versetzt, wo sie geisterhaften Wesen ähnlich jenen begegnet, die man dann auch in ihren Bildern trifft.

 

Dr. Eva Badura-Triska

Mumok  ( Kunsthistorikerin, Kurarorin )

ATELIER FÜR KUNST MALEREI-GRAFIK- FOTOGRAFIE-OBJEKTE

 

Mag.art Sybille Uitz

Siebenbrunnenfeldgasse 1/40/Dach

A-1050 Wien / Austria

 

www.sybille-uitz.com

sybille.uitz@gmail.com

Mobil: 

+43 (0) 676 628 61 07

 

4Min.Film>>>

YouTube/sybille uitz

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